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26. Mai 2019
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Zollfahndung sprengt europaweit tätigen Händlerring von „Designerdrogen“

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  • Bundesweit 10 Hausdurchsuchungen und 5 Festnahmen erfolgt
  • Fahnder stellen in Kellerlager noch über 25 Kilogramm „Räuchermischungen“ im Verkaufswert von über 125.000 Euro sicher;


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München / Deggendorf / Herford / Nürnberg.
Insgesamt 80 Einsatzkräfte vollzogen unter Federführung der Staatsanwaltschaft München I in einem wegen gewerbsmäßigen Schmuggels geführten Ermittlungsverfahren in den frühen Morgenstunden des letzten Donnerstages an verschiedenen Orten im Bundesgebiet erfolgreich Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse gegen eine Gruppierung, welche mit „Legal Highs“ genannten Designerdrogen handelte.

Während des mehrstündigen Einsatzes durchsuchten die Ermittler in den Großräumen München, Herford und Deggendorf insgesamt 10 Firmen- und Privatgebäude und nahmen drei Männer und zwei Frauen im Alter von 31 bis 48 Jahren fest.



Ziel des Großeinsatzes war die Sicherstellung von Beweismitteln bei der europaweit tätigen Gruppierung, welche arbeitsteilig chemisch hergestellte Pulvermischungen unter anderem als „Rostschutzmittel“ kiloweise aus China importiert hatte. Die Ware wurde in München sowohl in Tütchen als Endverkaufseinheit zu je 1 Gramm Inhalt als auch in größeren Mengen in „Großhandelspackungen“ für das europäische Ausland umverpackt. Ein Weitervertrieb zum Zwecke des menschlichen Konsums wird seitens der Ermittler vermutet.

So erfolgte der Weitervertrieb der als bedenkliches Arzneimittel einzustufenden und dem Arzneimittelgesetz unterfallenden Substanz unter dem Szenenamen „Freedom“ den Ermittlungen zu Folge größtenteils über eine hierzu vom Kopf der Gruppierung eigens betriebene Internetseite. Auf dieser wurde das als „top erfrischendes Badesalz“ beworbene Produkt den Endkunden zum Preis von 29,- Euro pro Gramm – ein Vielfaches des Einkaufspreises - zum Kauf angeboten.

Auf ihrer Internetseite gab die Gruppierung den Kunden erste Hinweise auf die möglicherweise doch nicht als Badesalz angedachte Verwendung der teuren Substanz gleich selbst:
So erfolge die Abgabe des „Badesalzes“ (angeblich) nur an volljährige Personen, es werde eine diskrete Lieferung garantiert und - das „Badesalz“ sei für Schwangere nicht geeignet. Die Ermittler gehen davon aus, dass die als „Badesalz“ beworbene Substanz gezielt zum Konsum durch Schnupfen vertrieben wurde.

Den bisherigen Ermittlungen zu Folge hat die Gruppierung bisher wohl insgesamt 356 Kilogramm chemische Mischungen aus China bezogen.

Im Gesamtkomplex der Ermittlungen gelang es den Zollfahndern bisher knapp 40 Kilogramm bedenklicher Arzneimittel, über 1 Kilogramm Cannabinoide sowie vergangenen Donnerstag im Keller eines im Großraum Bielefeld durchsuchten Anwesens bei einem Tatbeteiligten noch weitere ca. 25 Kilogramm von der Gruppierung unter dem Szenenamen „Sweed“ vertriebene und ähnlich wie früher „Spice“ vermutlich Cannabinoide enthaltene Räuchermischungen sicherzustellen. Die labortechnische Untersuchung dieser „Räuchermischungen“ steht noch aus.

Von den fünf festgenommenen Tatbeteiligten befinden sich derzeit zwei Frauen und zwei Männer aufgrund bestehender Haftbefehle in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen zu den jeweiligen Tatbeteiligungen und dem Umfang des Gesamtkomplexes dauern an.

Auf die Spuren der Gruppierung waren die Ermittler gestoßen, nachdem nach Hinweisen einer ausländischen Zollbehörde und Unstimmigkeiten bei der Einfuhr der Zoll eine labortechnische Untersuchung des Inhaltes der aus China stammenden Pakete veranlasst hatte.

Zusatzinformation:

Der Konsum chemisch hergestellter, so genannter Designerdrogen wie „Freedom“, „Sweed“ „Spice“ oder auch des dem Betäubungsmittelgesetz unterfallenden „Crystal“ birgt für Konsumenten aufgrund der nicht bekannten chemischen Zusammensetzung und deren letztlich auf Psyche und Organismus entfaltenden Wirkung uneinschätzbare gesundheitliche Risiken.

Aus medizinischen Kreisen wird bei Konsumenten nach im Einzelfalle auch nur einmaligem Konsum entsprechender Substanzen von festzustellenden Psychosen, Angstzuständen und ähnlichen Krankheitsbildern berichtet.

 

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