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20. Mai 2019
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Demenzkranke nicht allein lassen - Herausforderung für Kommunen

Demenz, Alzheimer, 24StundenbetreuungHandbuch 'Allein leben mit Demenz' auf Tagung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft vorgestellt

Berlin, 16.04.2010. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat mit dem Projekt „Allein lebende Demenzkranke – Schulung in der Kommune“ die Unterstützung allein lebender Demenzkranker zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht. Hintergrund ist, dass die Zahl der allein lebenden Demenzkranken künftig stark ansteigen wird. Die Fachtagung zum Abschluss des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projekts fand am 15. April 2010 in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin statt. Dr. Hermann Kues, Parlamentarischer Staatssekretär im BMFSFJ, begrüßte, dass das Projekt dazu beiträgt, das Thema Demenz über den Kreis der Fachleute hinaus in die Gesellschaft zu tragen.

Heike von Lützau-Hohlbein, 1. Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, erläuterte, dass es bei Menschen in der frühen Phase einer Demenzerkrankung, die allein im eigenen Haushalt leben, nicht in erster Linie um Pflege und medizinische Versorgung geht. Diese Menschen kaufen ein, holen Geld von der Bank, sind in Vereinen aktiv. Oft klappt das noch gut, doch wenn jemand drei mal täglich ein Kilo Bananen kauft, mehrfach in der Woche hohe Geldbeträge abholt oder durch die Straßen irrt, stimmt offenbar etwas nicht. Was aber können Bankangestellte, Verkäufer, Polizisten oder Nachbarn in dieser Situation tun? Erstmal ist es wichtig, zu erkennen, dass hier eventuell eine Demenzerkrankung vorliegt, und zu wissen, was Demenzkranke wollen und wie sie unterstützt werden können.

 

 
Die im Rahmen des Projekts interviewten Menschen mit Demenz stimmten darin überein, dass sie so lange wie möglich ein selbstständiges Leben im eigenen Haushalt führen möchten. Die eigene Wohnung vermittelt ihnen Sicherheit und Identität: „Hier bleib’ ich meine Person“, brachte es eine demenzkranke Frau auf den Punkt. Ein sicheres selbstständiges Leben ist Demenzkranken möglich, wenn sie in ihrem Wohnumfeld entsprechend unterstützt werden. Menschen mit Demenz, so Prof. Andreas Kruse (Heidelberg), brauchen ein „geschütztes und begleitetes Alleinleben“, das von einer „caring community“ getragen wird, in der die Bürger sensibel und aufmerksam sind und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Gemeinden, Städte und Landkreise spielen eine wichtige Rolle. „Die Kommunen sehen sich der Herausforderung gegenüber, sich auf die steigende Zahl allein lebender Menschen einzustellen“, sagte Dr. Irene Vorholz vom Deutschen Landkreistag. Sie können einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Bürger über Demenzerkrankungen, zur Schulung wichtiger Berufsgruppen und zur Vernetzung von Diensten leisten.

Die Ergebnisse des Projekts werden allen Interessierten in Form des Handbuchs „Allein leben mit Demenz“ zur Verfügung gestellt. Die DVD enthält neben Interviews, in denen allein lebende Demenzkranke über ihre Bedürfnisse, Wünsche und Befürchtungen sprechen, Schulungsmaterialien für Polizisten, Feuerwehrleute, Bankangestellte, Beschäftigte im Einzelhandel und die Nachbarschaft. Diese bestehen pro Zielgruppe aus einer Powerpoint-Präsentation, einem Begleittext sowie einem Kurzfilm. Ferner werden beispielhafte Projekte und Initiativen vorgestellt sowie die Rolle und Handlungsmöglichkeiten von Kommunen erörtert.
Einen ausführlichen Tagungsbericht enthält Heft 2/2010 des Alzheimer Info, das Ende Mai 2010 erscheint.

Handbuch (als DVD): „Allein leben mit Demenz. Herausforderung für Kommunen“, DVD, Schutzgebühr: 10 Euro. Bestellungen: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Friedrichstr. 236, 10969 Berlin, Tel. 259 37 95-0, mailto: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .  (Auslieferung ab Mai 2010)

Hintergrundinformationen
Heute leben etwa 1,2 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen in Deutschland. Ungefähr 60% von ihnen leiden an einer Demenz vom Alzheimer-Typ. Ihre Zahl wird bis 2050 auf 2,6 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz ist ein gemeinnütziger Verein. Als Bundesverband von derzeit 120 regionalen Gesellschaften und Landesverbänden vertritt sie die Interessen von Demenzkranken und ihren Familien.

Kongress 2010
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft veranstaltet ihren 6. Kongress unter dem Motto „Gemeinschaft leben“ vom 7. bis 9. Oktober 2010 in Braunschweig. Nähere Informationen: www.kukm.de/alzheimer2010.

Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.

 

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