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Montag
11. Dez 2017
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Durchsetzung von Pflegestufen im häuslichen Bereich

ratgeber, 24stundenbetreuung, hauhaltshilfenDer Felicitas Hübner Verlag in Lehrte bei Hannover hat sich eines Themas angenommen, das vielen Lesern Angst macht: Pflegebedürftigkeit! Zum Glück, möchte man da rufen, und das sagen auch die drei Autorinnen, gibt es die Pflegeversicherung. 1995 wurde sie eingeführt und soll – laut Gesetz – leisten, wenn eine Person für eine Dauer von mindestens sechs Monaten wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Erkrankung Hilfe im Tagesablauf benötigt.
 So weit so gut! Doch die Autorinnen von „Pflegestufen durchsetzen im häuslichen Bereich“, die alle langjährige Erfahrung in der Alten- und Krankenpflege haben, kennen die größte Hürde: das ist der Begutachtungstermin des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Fast jeder, der einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellt, wird in seinem häuslichen Umfeld besucht. Dort muss der Gutachter herausfinden, für welche so genannten Verrichtungen der oder die Betroffene Hilfe benötigt. Das geht vom Aufstehen über die morgendliche Wäsche, das mundgerechte Vorbereiten des Frühstücks und alle weiteren Mahlzeiten bis hin zu Toilettengängen und krankenpflegerischer Versorgung.

 Eines sollte nach der Lektüre des über 100-seitigen Leitfadens eigentlich jedermann klar sein: Einen Begutachtungstermin des Medizinischen Dienstes absolviert man/frau besser nicht ohne Beistand, sei es nun eine ohnehin involvierte Pflegekraft oder pflegende Angehörige. Und das, obwohl das Buch voller nützlicher Tipps ist, wie z. B. dem, dass die pflegebedürftige Person dem Gutachter auf gar keinen Fall die Tür öffnen sollte. Denn dann, so die Autorin Veronika Voget, hätte man seinen Anspruch auf eine Pflegestufe schon fast verwirkt. Das Öffnen der Tür, sei es auch noch so mühsam, wird als Selbstständigkeit und damit verringerter Hilfsbedarf gewertet.

Angenehm an dem Buch ist, dass der Leser umfassend informiert wird, aber nicht mit zu vielen Details überfordert. Der Verlag hat großen Wert darauf gelegt, dass die Elemente der Pflegeversicherung und die Merkmale der Pflegestufen detailliert beschrieben werden.

Einen Teil des Buches, das im handlichen DIN A5-Format gehalten ist, nehmen Informationen zum Thema dementielle Erkrankungen ein. Bis zum Januar 2013 gingen Betroffene bzw. Angehörige nämlich leer aus, wenn Betroffene körperlich noch recht fit waren, dafür aber einen erhöhten Betreuungsaufwand benötigten, z. B. wegen Weglauftendenzen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es den Begriff der „erheblich verminderten Alltagskompetenz“, die zum Bezug von Geldern berechtigt. Aber auch dieses „Attest“ muss von einem Gutachter des MDK ausgestellt werden.

Die Zahl der dementiell erkrankten Menschen jedenfalls nimmt zu, schon weil die Menschen immer älter werden. Und darum sind die vielen Details zum Umgang mit dieser Personengruppe, die im vorliegenden Band dargestellt werden, sehr zu begrüßen, bis hin zu 21 Regeln im Umgang mit ihnen, die vielen, die Demenzkranke betreuen, aus dem Herzen sprechen werden.

Das Buch schließt mit der Vorstellung der Aktivitäten, Beziehungen und Existentiellen Erfahrungen des Lebens, kurz ABEDL, die von der deutschen Pflegewissenschaftlerin Monika Krohwinkel entwickelt wurden. Dem Leser bietet sich so die Möglichkeit, zu erfahren, wie professionelle Pflegekräfte die Ressourcen von pflegebedürtigen Menschen einschätzen können, damit nicht etwa Tätigkeiten übernommen werden, die die Betroffenen noch ganz gut selbst erledigen können.

Das Buch ist gleichermaßen gut für Menschen geeignet, die der Pflege bedürfen, wie auch für Personen, die in der Pflege helfen.

 112 Seiten, Format 14,8 x 21 cm, € 14,80; ISBN 978-3-927359-69-7

Quelle: OpenPR

 

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