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26. Mai 2019
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NVV verfolgt eigene Konzeption als Ersatz der Mitte- Deutschland-Verbindung weiter

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Aufsichtsrat begrüßt zusätzliche Zugleistung als Übergangslösung für Kassel – Warburg ab Dezember 2010

Kassel. Der Nordhessische Verkehrsverbund arbeitet weiter mit Hochdruck an einem Ersatzangebot für die ab kommenden Dezember in großem Umfang wegfallenden Fernverkehrszüge zwischen Kassel und Paderborn. Nachdem alle Versuche gescheitert sind, gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen ein attraktives durchge-hendes Ersatzangebot auf der sogenannten Mitte-Deutschland-Verbindung zu gestalten, verfolgt der NVV nun eine eigene Konzeption. Zusätzliche Züge der Regionalexpress-Linie Kassel – Hagen sollen weitere Fahrmöglichkeiten für Pendler schaffen und durch einen Anschluss in Warburg auch die An-bindung in Richtung Paderborn sicherstellen.

Unterstützt wird der NVV dabei auch durch seinen Aufsichts-rat, bestehend aus den fünf nordhessischen Landkreisen, der kreisfreien Stadt Kassel sowie dem Land Hessen, der sich in seiner letzten Sitzung erneut für diese Lösung ausgesprochen hat. Der NVV-Aufsichtsrat begrüßt es, dass so ein Mobilitätsangebot geschaffen wird, das die Belange der Fahrgäste der Region im Blick behält und nicht noch weitere Nachteile entlang der Strecke für die nordhessischen Fahrgäste entste-hen lässt.

Der NVV hatte sich Anfang des Jahres gegen die Planungen des Nachbaraufgabenträgers Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) entschieden, da sich der Vorschlag des NWL nach intensiver Prü-fung als untauglich erwiesen hatte. Neben den gravierenden Fahrplannachteilen, die damit verbunden gewesen wären, sah der NVV kurzfristig keine Möglichkeit, den gewünschten Umfang zu finanzieren.

Ein möglicher Kompromiss scheiterte leider an 13 Minuten. Um zu vermeiden, dass zwei stark nachgefragte NVV-Züge in der Hauptverkehrszeit nicht mehr hätten verkehren können, hat der NVV hat den Vorschlag gemacht, den ersten Zug aus Paderborn bereits um 6.57 Uhr statt 7.10 Uhr in Kassel-Wilhelmshöhe ankommen zu lassen. Somit hätte dieser Zug bereits um kurz nach 7 Uhr statt – wie vom NWL geplant – gegen 8 Uhr wieder zurück nach Paderborn fahren können. Diese frühere Rückfahrt hätte er zum einen ein wirkliches Zusatzangebot gegenüber dem heutigen Fahrplan geboten und zum anderen keine bestehenden Züge behindert. Darüber hinaus hätte der Zug mit der früheren Ankunft in Kassel wesentlich mehr Anschlüsse erreichen können. Auf diese einfache Anpassungsmaßnahme hat sich der NWL leider nicht eingelassen, so dass der NVV dem Konzept nicht zustimmen konnte.

Darüber hinaus lenkt die Diskussion um die NVV-Konzeption vom eigentlichen Planungsproblem ab: der außergerichtliche Vergleich zwischen DB Regio und dem VRR aus 2007 hat zur Folge, dass attraktive Fahrplan – und Fahrzeugkonzepte im Korridor Dortmund-Paderborn-Kassel kurzfristig nicht reali-sierbar sind.

Denn der NVV favorisiert grundsätzlich das Ziel einer schnellen RegionalExpress-Verbindung Dortmund – Paderborn – Kassel (- Erfurt), um die Interessen der Region Nordhessen hinsichtlich einer schnellen Anbindung an das östliche Ruhrgebiet wahren zu können.

In Zusammenarbeit mit dem Land Hessen hat er seit längerem Vorschläge zur Einführung einer attraktiven RegionalExpress-Verbindung unterbreitet, die aber allesamt an der ablehnen-den Haltung in NRW gescheitert sind. Die bislang vom NWL angebotene Lösung einer Regionalbahnverbindung bedeutet dagegen für Reisende zwischen Kassel und Dortmund eine Fahrzeitverschlechterung von mindestens 20 Minuten.

Um zumindest für die Fahrgäste in der Relation Paderborn – Kassel die Nachteile des wegfallenden Fernverkehrs auf ein Minimum zu beschränken, entwickelte der NVV eine eigene Kon-zeptidee für den Bereich Kassel-Warburg: Dabei handelt sich um montags bis donnerstags um zwei Fahrtenpaare, freitags um drei Fahrtenpaare sowie samstags und sonntags um zwei zusätzliche Fahrtenpaare, die einerseits bestehende Fahrplanlücken schließen sollen und andererseits zusätzliche Fahrtmöglichkeiten für den Reiseverkehr am Wochenende bereit stellen sollen.

Diese zusätzlichen Verbindungen sichern in Warburg Anschlüsse zu Zügen der Regionalbahn 89 nach Paderborn, so dass weitere Früh-, Spät- und Wochenendverbindungen Richtung Paderborn entstehen. Die Fahrzeit Kassel - Paderborn beträgt so eine Stunde und 12 Minuten und ist damit nicht schlechter als im Fernverkehr. Da die ergänzenden Züge nur in Hofgeismar halten werden, ist die Fahrtzeit zwischen Kassel und Warburg auch kürzer. Damit für die Fahrgäste, deren Bahnhöfe zwischen Kassel und Hofgeismar liegen, keine Nachteile entstehen, wird dort dann die RegioTram das Angebot ersetzen bzw. ergänzen

Aus Sicht des Nordhessischen Verkehrsverbundes handelt sich um eine Übergangslösung, denn sein Ziel ist es weiterhin, den Knoten Kassel-Wilhelmshöhe durch Anschlussverbindungen Richtung Westfalen und Thüringen zu stärken, mittelfristig mindestens fünf Fahrtenpaare zwischen Dortmund, Kassel und Eisenach anzubieten und dabei die gleiche Fahrzeit wie bei der Mitte-Deutschland-Verbindung zu erreichen. Daran arbeitet der NVV zurzeit und führt entsprechende Gespräche mit dem Nachbarverbund in Thüringen und wird auch weiterhin das Gespräch mit dem NWL suchen.

 

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