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25. Mai 2019
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Strafweise Einäscherung des Hauses

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Historische Soester Rechtsquellen für neue Mittelalter-Ausstellung in Herne eingetroffen
Herne/Soest (lwl). Behutsam haben Forscher des LWL-Museums für Archäologie in Herne jetzt eine Klimakiste geöffnet und zwei hochkarätige Exponate für die neue Ausstellung "Aufruhr 1225!" ausgepackt: die älteste Niederschrift des Stadtrechts in Soest, die "Alten Kuhhaut", und das sogenannte "Nequambuch", eine mittelalterliche Übersicht über Verbrechen und dafür drohende Strafen. Das Stadtarchiv Soest leiht damit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zwei seiner wertvollsten Archivalien für die Herner Schau über Ritter, Burgen und Intrigen.

Die "Alte Kuhhaut" entstand um das Jahr 1225 und verdankt ihren Namen dem Material, auf dem sie geschrieben ist. "Auslöser für die Niederschrift war vermutlich der Tod des Kölner Erzbischofs Engelbert am 7. November 1225", sagt Projektleiter Dr. Stefan Leenen. Soest sei damals wichtigste westfälische Stadt im Kölner Machtbereich gewesen. "Nach dem gewaltsamen Tod des Bischofs probten die Stadtbewohner den Aufstand und gaben sich das neue Recht", so der Mittelalterforscher.

In 66 Zeilen führt die "Alte Kuhhaut" für die Soester Stadtbewohner Rechtsbestimmungen auf. Die repräsentative Urkunde enthält beispielsweise eine Gerichtsordnung, das Straf-, das Zivil- und das Marktrecht. Leenen: "Nachdem sich der neue Erzbischof mit der Stadt gütlich geeinigt hatte, scheint das Recht auch anerkannt gewesen zu sein." Die ersten 52 Artikel aus 1225/26 wurden später um elf weitere ergänzt. Etwa 1280 wurde die "Alte Kuhhaut" durch eine Neufassung ersetzt.

Das "Nequambuch" ist eine etwas jüngere Rechtsquelle Soests. Es bezeichnet ein Acht- und Schwurbuch, das zahllose Schreiber zwischen 1315 und 1421 mit 376 Einträgen füllten. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Nennungen von Gesetzesverbrechern. "Von ähnlichen Amtsbüchern dieser Art in anderen Städten setzt sich das Nequambuch vor allem durch seine Miniaturen ab, die von hoher künstlerischer Qualität sind", erklärt Leenen. Die 13 Miniaturen illustrieren Eintragungen zu Themen wie "strafweise Einäscherung des Hauses", "Ausweisung aus der Stadt", "Gefangensetzung" oder "Schandstrafe des Wippens".

Ausstellung
1225 kommt der Kölner Erzbischof Engelbert, einer der mächtigsten Männer des Reiches, während eines Überfalls bei Gevelsberg im heutigen Ruhrgebiet gewaltsam ums Leben. Wie dieser Mord die ganze Ruhrregion veränderte - das ist Ausgangspunkt und Leitmotiv der größten Mittelalterausstellung, die bisher im Ruhrgebiet gezeigt wurde: "Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen", läuft vom 27. Februar bis 28. November 2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Ein Thema der Schau ist die mittelalterliche Stadt im 13. Jahrhundert. Die Ausstellung beleuchtet die Gründung und Entwicklung von Städten, ihre Konflikte mit dem alten Landadel, Institutionen und Bauwerke sowie Handel und Produktion, die in den Städten florierten.

27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen"

LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1, 44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 2 und 6 Euro, Familienkarte 12 Euro, Gruppenrabatte
 

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