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26. Mai 2019
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Werraversalzung: Genehmigung auch scheibchenweise

Genehmigung auch scheibchenweise

Kassel / Witzenhausen. Die K+S Kali GmbH beabsichtigt, künftig im Bereich Philippsthal 1,5 Millionen Kubikmeter Salzlaugen aus dem Plattendolomit zu fördern und in die Werra einzuleiten. Das Regierungspräsidium Kassel vertritt die Auffassung, dass hierfür keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist (Az. III/Hef-31.1-79 e 12 – 330/001).

Es entsteht der Eindruck, dass die höchst umstrittene und bis jetzt nicht genehmigte Fortsetzung der Laugenversenkung unter dem Namen „NIS – Neue Integrierte „Salzwassersteuerung“ über die Hintertür erreicht werden soll.



Dieses Verfahren sieht ebenfalls eine Rückförderung von Salzlaugen vor, womit eine „Entlastung“ der Versenkräume erreicht werden soll. Tatsächlich dient es dazu, die Versenkräume mit konzentrierten Salzlaugen zusätzlich zu belasten. In einem am Runden Tisch vorgelegten Gutachten wird dieses Verfahren als „riskant“ eingestuft, das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) lehnt es ebenso ab wie der Geologe Dr. habil. Ralf Krupp.

Es ist bisher nicht nachgewiesen, dass mit der NIS die prognostizierte Entlastung der Versenkräume erreicht werden kann. Es muss vielmehr vermutet werden, dass durch das System von Laugenversenkung und Rückförderung eine nicht zu steuernde Dynamik in den Grundwasserströmen indiziert wird.

Für die Werra-Weser-Anrainerkonferenz e.V. ist die NIS deshalb ein geophysikalisches Großexperiment mit ungewissem Ausgang, bei dem die weitere Vernichtung von Trinkwasservorkommen hingenommen wird.

„Auch die Untertagedeponie in Herfa-Neurode ist in mehreren Abschnitten genehmigt worden. So konnte es geschehen, dass K+S im Werrarevier die weltweit größte Untertagedeponie für gefährliche Abfälle betreiben kann, ohne dass hierfür jemals ein Planfeststellungsverfahren oder eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt worden wäre“, so Dr. Walter Hölzel, Vorsitzender der Werra-Weser- Anrainerkonferenz e.V.


Hintergrund

Der Plattendolomit ist diejenige geologische Schicht, in die insgesamt 1 Milliarde Kubikmeter Abwässer der Kali-Industrie versenkt worden sind. Die hierzu erteilten Genehmigungen gehen davon aus, dass die Abwässer im Plattendolomit verbleiben und keine Gefährdung des Trinkwassers darstellen. Seit 2007 ist auch öffentlich bekannt, dass dies nicht zutrifft. Etwa zwei Drittel der versenkten Abwässer ist in die Grund- und Trinkwasserbereiche aufgestiegen. Im Jahre 2011 sind auch Salzlaugen unterhalb des Plattendolomits und damit in der Salzlagerstätte selbst gefunden worden. Die Zusammensetzung deutet darauf hin, dass es sich hier ebenfalls um Abwässer handelt. Bislang ist ungeklärt, ob dies ein einmaliges Vorkommnis ist und ob hiervon eine Gefahr für Grubengebäude ausgeht.

Die Laugenversenkung ist höchst umstritten, weil die Beeinflussung des Grund- und Trinkwassers wasserrechtswidrig ist. Die Fachbehörden in Hessen (HLUG) und Thüringen (TLUG) hatten im Jahre 2011 erfolglos davor gewarnt, diesen Entsorgungsweg weiter zu genehmigen. Die trotzdem erteilte Genehmigung ist aber noch nicht rechtskräftig, weil eine Klägergemeinschaft um die Gemeinde Gerstungen dagegen klagt.

Die Versenkung von Salzabwässern, verbunden mit der Rückförderung von Formationswässern, ist als „Bergversuch“ in der Gerstunger Mulde erprobt worden. Man ist dabei offenbar auf unüberwindbare technische Schwierigkeiten gestoßen. Es konnten nur etwa 2% des versenkten Abwasservolumens zurückgefördert werden, obwohl K+S damit gegen eine Genehmigungsauflage verstoßen musste. Danach, im Jahre 2007, war eine Weiterführung des Bergversuchs nicht gestattet worden.
 

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